Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Komplettüberwachung und die Werte der Aufklärung

Freiheit_Gleichheit_BrüderlichkeitFreiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit steht an vielen französischen Rathäusern, wie wir im letzten Sommer in Frankreich auf einer Fahrradtour sehen konnten. Irgendwie noch eine Erinnerung aus vergangener Zeit, dachte ich. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Ist da noch was, oder sind das nur noch romantische Phrasen aus der Zeit der Aufklärung und der französischen Revolution?

Der sogenannte freie Westen versucht sich ja zunehmend im Sinne von immer schneller, weiter, größer. Die Ökomomisierung aller Lebensbereiche, selbst des Gesundheitssystem ist unaufhaltsam. Alles wurde in den letzten Jahren und wird in Einheiten von „was kostet es mich“ und „was bringt es mir“ gemessen. Unser System ist kompetetiv bis zum Geht-nicht-mehr geworden. Wir laufen im Hamsterrad, bestimmen aber nicht dessen Geschwindigkeit.

In Deutschland gibt es Pegida- und Ableger- Demos. Die AfD nährt sich von rassistischen Phrasen und dumpfer Selbstbezogenheit. In anderen europäischen Ländern, wie in Frankreich oder den Niederlanden ist man schon weiter auf dem rechten Weg. Da hatte Deutschland wohl Nachholbedarf. Und wie man uns Deutsche kennt, holen wir auf, wenn wir nur lange genug im Hintertreffen waren.

In dieser Situation dann plötzlich der barbarische Anschlag auf Charlie Hebdo und deren Macher. Der Versuch eine ganze unbequeme Redaktion auszulöschen und ein Fanal zu setzen gegen freie Meinungsäußerung und Satire, die man nicht ertragen kann. Der Anspruch, die ganze Welt den eigenen kruden Religionsphantasien zu unterwerfen. Es ist wie die Geschichte mit dem Hammer. Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, der sieht überall nur herausstehende Nägel. Noch dazu bringt so ein Anschlag die Millionen friedliebende Muslime, die eben auch nur Frieden und Leben wollen, ungewollt in Verruf. Wie manche Kommentatoren meinen, sei das ja der eigentliche Sinn dahinter. Muslime in der westlichen Welt zu diskreditieren, um damit dann die Teile der Gesellschaften gegen einander aufzubringen. Mag sein. Mag auch sein, dass einfach eine Menge verirrte Jugendliche und junge Erwachsene, ohne tiefe Kenntnis des Islam, für sich eine noch so verrückte scheinbare „Heldentat“ im Gedanken- und Gefühlsgewirr ihres Kopfes beherbergen und zur Ausführung bringen. Dagegen wird es letztlich keinen konkreten Schutz geben.Wahl_Avignon_2014

Egal, wie sehr die sogenannten freien westlichen Gesellschaften – als vermeintliche oder vorgeschobene Antwort auf die terroristische Bedrohung einzelner oder von Terrorgruppen – ihre Kommunikationsnetze durch Geheimdienste und Telekommunikationsunternehmen überwachen lassen. Wie zumindest seit Edward Snowden bekannt (GCHQ) belassen es die Dienste ja nicht bei Überwachung und Ausspähung, sondern beeinflussen Dialoge und Meinungsbilder in die vermeintlich genehme Richtung. Nicht die Bevölkerung überwacht die Regierung. Wir sind auf dem besten Weg im sog. Westen, dass die Geheimdienste und mit ihr verbundene Industrien in mehr oder eher weniger durch Parlamente und Regierungen kontrollierten Systemen eine Komplettüberwachung der Bevölkerung durchführen und deren Lebensäußerungen kontrollieren und beeinflussen. Eine solche Überwachung funktioniert viel perfekter als in „1984“ beschrieben.

Merkwürdigerweise regt sich nach initialen kurzen Stürmen der Entrüstung, kaum jemand mehr darüber auf. Warum eigentlich nicht? Mit der Gefahr eines terroristischen Anschlages wird der Umbau des Westens in vollständig überwachte Systeme gerechtfertigt. Viele Menschen halten dies dann auch für gerechtfertigt und wichtig, um „sicher“ leben zu können. Wie sicher ist das denn eigentlich? Auch in völlig autokratischen oder diktatorischen Gesellschaften sind Attentate nicht zu verhindern.

Was aber verhindert werden kann ist die schleichende Umwandlung von freien Gesellschaften zu autokratischen oder diktatorischen Gesellschaften und wenn es nur eine Überwachungs-Diktatur ist.

Im Hinblick auf die reale Gefahr, durch ein terroristisches Attentat zu Schaden zu kommen oder gar getötet zu werden, scheint eine grobe allgemeine Fehleinschätzung vorzuliegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Ereignis eine oder mehrere Menschen des persönlichen Umfeldes trifft ist wohl nicht größer als vom Blitz getroffen zu werden. In diesem Zusammenhang sind die informativen, unterhaltsamen und weiterführenden Bücher der beiden Statistiker Hans-Hermann Dubben und Hans-Peter Beck-Bornholdt (z.B. „Der Hund der Eier legt“, „Der Schein der Weisen“) sehr zu empfehlen. Es wäre im Hinblick auf die persönliche Sicherheit sicher viel sinnvoller auf das Tippen von SMS während des Autofahrens zu verzichten oder gar dreimal pro Woche eine Stunde Sport zu betreiben (auch wenn man ja nach der Arbeit so „kaputt“ ist).

Die eigentliche Gefahr ist die schleichende Umwandlung der Gesellschaft in ein Überwachungssystem, in dem abweichende Meinung sanktioniert wird oder durch die Schere im Kopf (Ich habe ja nichts zu verbergen) erst garnicht aufkommt. Eine durch die Medien unterstützte kollektive Angst vor terroristischen Anschlägen hilft die Rechtfertigungsbasis für unsere ein weitestgehendes Überwachungs- und Kontrollsystem zu schaffen.

Plötzlich stehen mehrere Millionen Franzosen und viele Menschen aus vielen Ländern der Welt und Anhänger vieler Religionen und Weltanschauungen für eine – wer weiß wie lange/kurze Zeit – zusammen. Wir besinnen uns wieder auf die Werte, auf denen unsere Gesellschaften beruhen. Das kann nur gut sein. Dabei sollten wir wirklich auf die Werte achten, diese verteidigen. Die Menschenrechte machen keinen Unterschied aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder sexueller Einstellung. Die westlichen Gesellschaften sind attraktiv auf der Basis der Werte, ihrer relativen Toleranz, ihres Lebensstils, ihrer Sozialsysteme, ihrer Aufnahmefähigkeit für Menschen aus benachteiligten Regionen und auch ihrer Wirtschaftskraft.

Die wirkliche Gefahr ist die schleichende Umwandlung der westlichen Gesellschaften in restriktive, abweisende, fremdenfeindliche, kollektiv überwachte und durch Geheimdienste manipulierte abgeschottete Festungen, in denen wir die Werte der Aufklärung und die Menschenrechte nicht mehr wiederfinden und in die wir keine Bedürftigen und Geflüchteten mehr rein lassen. Das scheint ja auch das Ziel mancher islamistischen Terroristen zu sein die westlichen Gesellschaften in autoritäre Systeme zu verwandeln. Wir sollten und dürfen dem nicht auf den Leim gehen. Gut, dass wir wieder merken, auf welchen Werten unsere Gesellschaften beruhen und schade, dass es dafür solcher menschenverachtender Anschläge bedarf.

Wischmeyer

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Copyright by: Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski;  http://www.home.unix-ag.org/simon/penguin/

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Quo vadis Linux? – 1000 Distributionen. Aber Wesentliches fehlt. Bündelt eure Kräfte!

Ja, es ist schon toll, wie sich Linux und die mittlerweile vielen verschiedenen Distributionen entwickelt haben. Für den Normal-PC-User ist es heute längst nicht mehr notwendig Windows zu benutzen oder OSX. Oder doch?

Nein, selbst Computernutzer, die wenig Zeit, Lust und Motivation haben, sich mit dem Untergrund von Betriebssystemen zu beschäftigen, kommen prima mit Ubuntu, Linux Mint, Suse Linux und den vielen Anderen klar. Mit einem ordentlichen Desktop heute kein Problem mehr. Super.

Nun träumt auch Linus Torvalds von Linux auf allen Desktops. Bisher hat das jedoch nicht geklappt. Warum liegt bei den Desktop und Laptop-Computern die Verwendung von Linux weiter im eher niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich?

Viele Hobby und auch professionelle Programmierer, Designer, Übersetzer und Andere investieren viel Zeit, Kraft und Gehirnschmalz in die Entwicklung von verschiedenen sogenannten Distributionen von Linux. Unter dem Strich beinhalten die Distributionen relativ wenig Unterschiedliches für den Linux-Anwender in der Praxis. Klar unterschiedliche Desktops, die man meist für verschiedene Distributionen verwenden kann. Klar, ausgenommen sind Spezial-Distributionen, wie Kali-Linux und Tails zum Beispiel. Da braucht man sich nicht alles zusammenzusuchen.

Was aber hält viele Windows User doch davon ab Linux zu verwenden. Klar, der Umstand, dass Windows halt auf den meisten zu erwerbenden Computern schon installiert ist. Aber was will man auch ohne machen. Die Steuererklärung unter Linux mit einem vernünftigen Programm zu erstellen ist schon eine nahezu unlösbare Herausforderung. Auch WINE, Play-on-Linux u.a. und auch die recht guten Virtuellen Maschinen VMWare und VirtualBox lösen nicht das Problem, dass Windows-Programme nur recht unzureichend laufen. Dual-boot ist halt auf ein System beschränkt, das regelmäßig gewechselt werden muss.

Da hat OSX mit ParallelsDesktop doch eine Menge Vorteile. Windows läuft unter OSX doch recht ansehnlich. Und das Ganze ist praktikabel. Warum gelingt es nicht für Linux ein ähnliches Programm zu schreiben, dass Windows unter Linux laufen lässt und beide Betriebssystems so verzahnt, dass man den Eindruck hat, die Windows-Programme liefen direkt in Linux?

Schön wäre es, wenn ein guter Teil der vielen Energie der Programmierer und Software-Entwickler in ein solches Projekt gesteckt werden könnten. Dann wäre der Nutzen von Linux noch wesentlich größer und die Akzeptanz viel höher. Vielleicht würde so der Traum von Linus Torvalds in Erfüllung gehen, wenigstens zum Teil. Viele Programme für Linux sind gut, viele sind mäßig, wie auch für die anderen Betriebssysteme. Aber Windows ist halt für Vieles der Standard in der Programmentwicklung, auch, auch weil man damit Geld verdienen kann.

Übrigens, was spräche dagegen, für das oben beschriebene Projekt einer Software ähnlich „Parallels Destop“ ein Crowdfunding Projekt aus der Taufe zu heben oder das Ganze anderweitig mit Spenden zu finanzieren. Auch Linux-Programmierer müssen essen, leben und haben Kinder. Sie sollten für sowas eben auch entlohnt werden, damit die Zeit und Muße da ist, die Dinge voran zu treiben.

Gutes Gelingen!

von Vincke

Inklusion, Förderschulen, FSJ, Bufdis und der Staat

2014-05-26_Provence_Orange_Avignon_Arles-105_Localtone_SmallFörderschulen sind Spezialisten für Förderung von gehandicapten Menschen. Sie haben das bisher schwierige Feld prima beackert. Das Problem der Inklusion ist doch, dass längst nicht ausreichend qualifiziertes Personal in den Standardschulen vorhanden ist. Man wird den „gehandicapten“ Menschen und den nicht „gehandicapten“ Menschen nicht gerecht. Sinnvoll wäre ein soziales Jahr für alle jungen Bürger, verpflichtend, in denen sie in einem sozialen Bereich arbeiten und sich in diesem Umfeld umtun, um eben dafür den Blick zu schärfen.

Leider hat der Staat ja mit der Wehrpflicht den Zivildienst und damit die Finanzierung der sozialen Arbeit (via Zivildienst) junger Menschen eingestellt. Im Gegensatz zum „Zivi“ kann ein „Bufdi“ nicht von den 300 Euro, die er erhält, leben. Das führt dazu, dass lediglich Kinder aus begüterten Familien sich ein Bufdi-Jahr (FSJ) überhaupt leisten können. Die anderen müssen für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Damit hat der Staat sich auch hier aus der Verantwortung verabschiedet und lässt die Bufdis von den Eltern subventionieren und damit eben eine wichtige Arbeit. Gebraucht werden allerdings viel mehr Bufdis, die im sozialen Bereich für eine Zeit arbeiten, helfen und den so gewonnenen Einblick bzgl. Kranker oder gehandicapter Menschen in die Gesellschaft tragen. Unser Staat schein sich hier deutlich aus der Verantwortung zu stehlen.

Man sollte einfach Hauptschullehrer fragen wo die Probleme bei der Inklusion liegen. Schnell würde klar, dass diese schon überfordert sind mit dem Auffangen der familiären und sozialen Probleme der „nicht-gehandicapten“. Das kaum zusätzliches Personal für die gehandicapten Menschen vorhanden ist, scheint diese Lösung eher ungeeignet zur Integration. Es liegt der Verdacht nahe, dass letztliche Geld eingespart werden soll auf Kosten der Schwächsten. So geht das nicht. Auch fehlt eine breite Diskussion über Inklusion und Förderschulen und Fördersysteme.

von Vincke

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Umzug von Outlook zu Windows live mail: gelöst (Outlook2WindowsLiveMail:solved)

Viele Email-Nutzer haben Probleme damit, ihre E-mails aus Outlook in Windows live mail importiert zu bekommen. Direkt ist es WLS nicht möglich die Emails aus der pst-Datei oder nach einem Export aus Outlook in Windows live Mail zu importieren. Die Versuche führen, wie sich in diversen Foren nachlesen läßt regelmäßig zu Frust. Auch läßt sich der früher häufig gegangene Weg über Outlook Express nicht mehr gehen, das das Programm nicht mehr vorhanden ist oder nicht mehr auf Windows 7 läuft. So hatte auch ich einige Probleme. Windows live Mail synchronisiert sich prima mit Outlook.com, so dass auch der Kalender und die Kontakte synchronisiert werden. Für den Privatgebrauch ist es meist ausreichend und die teuere Investition in eine neue Outlook-Version überflüssig.

Nun, warum Microsoft keinen Konverter anbietet, um E-mail-Daten aus Outlook in Windows Live Mail zu übernehmen, bleibt das Geheimnis des Fensterriesen. Kundenfreundlich ist das sicher nicht.

Hier die Anleitung zum übernehmen der Lokalen E-mails aus Outlook in Windows Live Mail. Die Mails auf einem Server oder Provider können ja problemlos mit der Kontoeinrichtung (IMAP) synchronisiert werden. Viele sichern jedoch wichtige Mails, indem sie die Mails in LOKALE ORDNER verschieben oder kopieren. Dann sind die Mails nicht mehr auf dem (IMAP)-Server, sondern nur noch lokal auf der eigenen Festplatte.

Übersicht: Archivieren der Outlook-Emails mit dem kostenlosen (Heimgebrauch) MailStore Home. 2. Dann exportiern des in MailStore Home gespeicherten Archiv in eine Datei mit dem Format von Windows Mail (geht ohne, dass Windows Mail installiert sein muss). Dann kann Windows Live Mail die Emails- aus der Datei importieren. Fertig. MailStore Home kann dann weiter als Programmübergreifender E-mail-Archivar benutzt werden oder wieder deinstalliert werden.

Schritt für Schritt:

1. Herunterladen der hervorragenden und für den Privatgebrauch kostenlosen E-mail-Archivierungssoftware MailStore Home.

MailStoreCom

2. Installieren des aktuellen MailStore Home Programms (Doppelklick auf die von www.mailstore.com heruntergeladene Installationsdatei des Programmes.

3. Anlegen eines Archive der Outlook-Emails in MailStore Home. Startansicht: In der linken oder mittleren Spalte Klick auf „E-mails archivieren“ , dann Klick auf Outlook unter der Spalte E-mail-Programme. Dann Doppelklick auf das in der unten liegenden Tabelle nun gespeicherte Profil für die Archivierung der Emails aus Outlook. Die E-mail-Archivierung kann unterschiedlich lange dauern, je nach Umfang. HomeStore ist aber recht schnell.

Anlegen eines OutlookArchivs

 

4. In der linken Spalte von MailStore Home unter Archive auf E-mails exportieren klicken um ein Profil für den Export der später in Windows live Mail zu importierenden E-mail-Datei zu erstellen. Nun unter der Spalte E-mail-Programme Windows Mail aussuchen (doppelklick) und damit eben für Windows Mail ein Exportprofil zu generieren. Das funktioniert ohne, dass Windows Mail installiert ist. Dann beim Erstellen des Profils die Voreingestellte Windows Hauptindentität belassen. Das Profil ist nun angelegt und kann unten in der Tabelle der Exportprofile mit Doppelklick aufgerufen werden. Man sollte nun den Ordner oder die Ordner, die man gern in Windows Live Mail übertragen haben möchte auswählen. Natürlich kann man auch den gesamten vorher von Outlook importierten Mail-Ordner auswählen. Die Baumstruktur bleibt beim Export erhalten. (Die exportierte Archivdatei wird von MailStore Home in das in Windows übliche Verzeichnis für Windows Mail geschrieben. Wenn Windows Mail nicht installiert ist, legt MailStore Home das Verzeichnis an und speichert die Exportdatei dort. Im folgenden Schritt findet Windows live Mail automatisch im Importfenster das richtige Verzeichnis von Windows Mail. Unter Windows 8 ist der Pfad ist C:\Users\NUTZERNAME\AppData\Local\Microsoft\Windows Mail\).

5. Nun kann man in Windows Live Mail unter DATEI-Menue „Nachrichten importieren“ WLS Nachrichten Importauswählen. Wichtig ist nun „Windows Mail“ als Format auszuwählen und auf Weiter zu klicken. Dann kann man im folgenden Auswahlfenster nochmal die zu importierenden Ordner auswählen wls-importordner-auswhlen oder es bei der Voreinstellung „alle Ordner“ belassen. Nun auf weiter und es werden alle Ordner und Emails importiert in Windows Live Mail.

6. Lange Ordnernamen werden z.T. mit Kürzel abgekürzt WLS Importierte Ordner Pfad und müssen nach Auswahl des Ordners in Kontextmenue mit Umbenennen wieder richtig benannt werden, wenn gewünscht. Der/die importierten Ordner finden sich als Unterordner von „MailStore E…“ wieder. Sie können in Windows Live Mail dann -wenn gewünscht – mit Drag and Drop – verschoben werden an die gewünschte Stelle.

7. Fertig!!!

Ich hoffe, das spart euch Zeit und Nerven! Würde mich über eine Rückmeldung freuen. Viel Spass!

v. Vincke

 

 

eReader, eInk der Leseapparat und wir

kindle_bbNatürlich fragen wir uns warum nicht, warum es dem Gelesenen egal ist, worauf es steht, womit es transportiert wurde. Der Text dringt in uns ein, wie Wasser, das wir nach dem Laufen aufsaugen. Er fließt durch die Augen über die Sehnerven zum genau entgegengesetzten Ende des Gehirns, der primären Sehrinde. Warum die eigentlich am entgegengesetzten Ende des Gehirns beheimatet liegt, habe ich mich bisher nie gefragt und kann ich – trotz meiner medizinischen Vorbildung – nicht erklären. Nun, die Reise des Textes vom Buch in unsere mentale Welt hat ja auch damit eigentlich erst begonnen. Wir schließen in automatisierten Vorgängen aus den uns bekannten Zeichenmustern auf Wörter und Inhalte, die dann rasch gefärbt von Emotionen in uns versuchen zu erkennen, was die Bedeutung dessen ist, das wir vor Augen hatten und gelegentlich Gähnen und gelegentlich Interesse auslösen.

„Für mich ist ein Buch sinnlich und lässt mich Text und Inhalt begreifen“. Inhalt auch? Vielleicht. Wir sind es schlicht so gewohnt (gewesen). Den auf Papier aufgedruckten Text begreifen, das kann ich nachvollziehen. Den Inhalt eher nicht. Das haptische, sinnliche, körperliche ist das Anfassen, der Warencharakter des Buches, der Zeitschrift, des Textes. Die Farben, das Gewicht, der Geruch, der Charakter der Grafik auf dem Cover. Davon, geht eine eigene Botschaft aus. Vielleicht. Vielleicht ist aber auch nur der Text bzw. dessen Inhalt davon entstellt oder gar gefangen.

Schon länger lesen wir nun nicht mehr ausschließlich auf dem Träger Papier. Wir lesen auf dem Handy, auf Bildschirmen von Computern, auf Fernsehern, auf Anzeigen im Auto, Touchscreens am Fahrkarten- und Anschlußflugfindehiflsautomaten am Flughafen.

Nun lesen wir auch auf den kleinen elektronischen Lesegeräten, den eReadern, den Leseapparaten. Warum haben wir eigentlich mal wieder kein deutsches Wort dafür? Wie immer und auch beim „public viewing“ benutzen wir noch ein wenig der deutschen Sprache beheimateten kein Wort unserer Sprache dafür. „Öffentliches Glotzen“ sagt niemand, warum nicht? Es klingt zu simpel. Es ist kein Terminus technicus. Es klingt zu banal. So banal, wie es auch ist.
eReader klingt interessanter, moderner als Leseapparat. Es meint das selbe. Ein Gerät mit einem Text und Bilder speichernden Inneren, das eben dieses auf einem Papier imitierenden Bildschirm präsentiert.
Auf einem eReader ist der Text dann freigesetzt aus elektronischen Schaltkreisen zu einer Maschine-Mensch-Schnittstelle gebracht, die für unsere Augen zugänglich ist und für unser Gehirn entzifferbar wird. Kulturhistorisch vielleicht schwach vergleichbar mit der Druckerpresse von Gutenberg. Nachdem sich Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts niemand ernsthaft vorstellen konnte, dass man in 10-15 Jahren überall telefoniert, SMS verschickt in minütlichem Rhythmus oder gar von diesem und jenem mit dem Handy erstellte Fotos auf elektronische Server in einer imaginären „Cloud“ ablegt, so hat sich niemand mehr über die – der Einführung der Eisenbahnen mit sagenhaften und ungemein gefährlichen Geschwindigkeiten von 38 Stundenkilometern – vergleichbaren Gefahren des Lesens auf elektronischen Leseapparaten aufgeregt. Vielleicht weil diese in der alten Welt noch nicht wirklich wahrgenommen, in der sogenannten neuen Welt schon dem papierbeförderten Text den Rang abgelaufen haben, dessen Bedeutungserfassung wir noch vor uns herschieben. Warum auch nicht? Schließlich wird die Geschwindigkeit der elektronischen Innovationen, die auch unseren persönlichen und kulturellen Zusammenhang umkrempeln, nahezu exponentiell, ohne dass wir begreifen, wie sich unser Leben dadurch verändert.

Befreit also das Lesen des Textes auf elektronischen Leseapparaten den Text von der Fessel des Papiers? Ja, eindeutig! Der Text ließt sich anders, er „fühlt“ sich anders an, als der Text auf Papier. Der Text erhält mehr als auf Papier das Wahrnehmungsgewand des Imaginären. Er rückt durch die Erfahrung mit dem „eInk“ generierenden Apparat ein Stück näher an das, was er ist. Ein vom Trägermaterial unabhängiges Gebäude von Gedanken, Glauben, Sinnlosigkeiten und Emotionen. Die Aufbereitung in verschiedener Schriftauflösung und unterschiedlicher Seitendarstellung, noch dazu mit unterschiedlichen Schriften entfesselt den Text vom Trägermaterial Papier. Es lässt ihn unabhängiger werden. Und das nicht nur weil der Text zuvor in Form von Elektronen oder Lichtquanten durch Kabel oder von Funkwellen durch die Luft geflogen ist. Es gibt dem Text den Charakter unabhängiger vom Übermittlungsmedium zu werden. Vielleicht wird es dem Text damit gerechter? So what?

Jedenfalls kann Opa und Gaby den Text auf dem elektronischen Leseapparat besser auch größer Lesen, als aus dem schweren Buch. Er/Sie kann – falls er/sie Texte in einer Fremdsprache liest – mit der Fingerkuppe die Bedeutung des fremden Wortes oder des deutschen Fremdwortes in Form eines rasch angezeigten, bereits richtig aufgeschlagenen Lexikons ablesen und nicht erst nachschlagen. Der Text hätte vielleicht gern, dass er besser verstanden wird. Und manche sagen, ihr Fremdwortschatz habe sich seit Beginn des Lesens von Fremdsprachentexten auf dem Leseapparat rasch vergrößert. Ob der Text besser ist als der seit Jahrhunderten auf Papier gedruckte, darf bezweifelt werden und wird nicht vom Trägermedium abhängen. Der elektronische Leseapparat befördert das auskramen, runterladen und eben auch das Lesen von alten Texten, von Klassikern, auch – aber nicht nur – weil sie kostenlos verfügbar sind. So trägt der Leseapparat zur Verbreitung von Texten und Übertritten in Gehirne von neue Generationen bei.

Ob der Text besser verstanden wird, auch das scheint in vielen Fällen zumindest möglich mit der elektronischen Tinte, wie auch, dass Lea einen vielleicht viel leichteren Tornister auf dem Rücken zur Schule trägt, weil statt 8 schweren gedruckten Büchern nur ein schmaler elektronischer Leseapparat drin steckt, neben dem Schreibzeug, das ggf. irgendwann vom „Touchscreenschreiben“ abgelöst wir.

So viel, jetzt zerknülle ich meine alte Zeitung (von gestern), um damit den zu verschickenden Leseapparat im Paket zu polstern. So hat alles seine Vorzüge und Nachteile.

von Vincke

Piraten: Die etablierten Parteien kriegen es wieder nicht hin!

Man fühlt sich unweigerlich an die siebziger Jahre erinnert. Als Baldur Springmann, der Ökobauer aus dem hohen Norden, den sich gründenden Grünen die Rechte machte. Oder als Josef Beuys mit seinen Mannen das essener Jugendzentrum unsicher machte undPiratenpartei Signet Flaggeglaubte mit seinen lautstark vorgetragenen Weisheiten die Welt der Grünen verändern zu können.
Damals hatten die etablierten Parteien kein Konzept gegen die Grünen, aber was viel wichtiger ist, sie hatten die mit den Händen zu greifenden, in der Luft liegenden Fragen und Probleme nicht erkannt. Es brauchte eben eine neue Partei. Man könnte sagen, damals wie heute in der Bundesrepublik gebiert jede Generation ihre Partei.
Die Grünen sind 30 Jahre später voll etabliert. Man findet nur noch einige Gesichter der alten in den Medien. Die alten streiten sich, wer denn die Partei demnächst anführen soll. Roth, Özdemir, Trittin. Na gut, es gibt Herrn Ströbele auch noch. Ein bisschen hat man den Eindruck, jetzt wo selbst die „pragmatische“ Merkel-CDU den Atomausstieg beschlossen hat – man kann es ja immer noch nicht glauben – wird die Partei der Grünen irgendwie weniger wichtig. Eigentlich haben sie es sich selbst verbockt. Auch sie haben die neuen Fragen verschlafen. Viele fühlen sich offensichtlich nicht mehr adäquat von ihnen vertreten.
Es braucht mit der Generation der Digital-Natives eben eine neue Partei. Vordergründig geht es um Fragen der Urheberrechts und des (kosten-)freien Kopierens und Downloadens von digitalen Daten. Man gibt sich Mühe zu erklären, wieso es nicht das gleiche ist ob man im Laden um die Ecke eine Zeitschrift klaut oder im Internet ein Video illegal kopiert. Die neue Generation scheint die (kosten-)freie Verfügbarkeit zur Basis des digitalen Lebens gemacht zu haben. Und da erhebt sich dann doch heftiger Widerspruch. Herr Lehmann (alias Sven Regener) und mit ihm viele Autoren (auch der öffentlich rechtlichen Sender) wollen nicht, dass ihre Produkte einfach gesaugt werden ohne zu bezahlen. Sie fürchten, dass ihnen damit die Grundlage ihrer Existenz entzogen werde. Argumentiert wird von der Gegenseite, dass durch die freien Internetgegebenheiten gerade kleine Autoren und Kunstschaffende nicht mehr an die Monopole der Megakonzerne gebunden seien, die die Autoren und Künstler sowieso nur ausbeuten. Zudem wird argumentiert, dass trotz der z.T. illegalen Downloaderei reale Verkäufe in erheblichem Umfange möglich seien. Als Beispiel werden die Toten Hosen angeführt, die ihr neues Album komplett auf YouTube zum freien anschauen und saugen gestellt hätten. Sie würden ihr Album dennoch gut verkaufen. Mag sein. Die neuen Medien und allen voran die großen Kommunikationsplattformen generieren eben auch die Verbreitung und vergrößern den Bekanntheitsgrad. Es geht Hand in Hand. Aber warum jemand es hinnehmen muss, dass sein geistiger oder physisch gewordener Ausfluß seines Hirnschmalzes kostenlos gedownloaded wird und eben auch geklaut, ist irgendwie nur schwer nachzuvollziehen. Jedenfalls für die, die wissen, wieviel Arbeit in vielen dieser Produkte stecken. Wenn man sie frei gegeben hat, ja dann ist ja alles gut. Aber wenn man für seine Produkte einen Obolus haben will, weil man vielleicht auch davon leben muss, dann ist es irgendwie wohl auch in Ordnung. Unser ganzes System basiert – so scheint mir – darauf, dass geistiges Eigentum und geistige Kreativität akzeptiert und geschützt wird.
Ok, die Dinge werden gerade anders gesehen. Und viele der neuen Generation sehen es eben anders. Es wird ausdiskutiert werden. Sicher ist, es wird nicht so bleiben, wie es ist. Änderungen an Teilen der Rechte wird es früher oder später geben. Das Internet ändert unsere Sichtweise, unsere Lebensgewohnheiten, unsere Gesellschaft, unsere Nachbarn und Freunde und eben uns selbst. Es stellen sich neue Fragen, nach Umgang und Anpassung auch der Rechtsgüter.
Komischer Weise – oder gerade nicht – sind die Piraten eben gerade keine Youngster-Partei, es gibt bereits die ersten 60+ Stammtische. Und quer durch die Gesellschaft. Von links bis rechts sind welche dabei. Eben wie vor 30 Jahren bei den Grünen, die ein bisschen die Fragen der Zeit verschlafen haben.
Warum schaffen es eigentlich die etablierten Parteien nicht (mehr) die neuen Strömungen und v. a. die neuen Fragen zu entdecken, zu formulieren und in den Parteien zuzulassen. Vermutlich weil die alten „Säcke“ in den Machtzentralen die Bodenhaftung verloren haben. Weil sie sich eingerichtet haben mit den dringenden Fragen, dem Euro, der EU, der Krise und den alltäglichen Machtspielen in den Parteien. Vielleicht brauchen neue Zeiten einfach neue Prinzipien.
Mal sehen wie lange das System Liquid Feedback der Piraten funktioniert. Wie lange die Basis mitreden kann, wie lange die Basis mitreden will. Wer will und kann schon über die vielen wesentlichen Fragen auf dem Laufenden sein? Kaum einer, ja aber eben immer einige unter den vielen und da gibt die neue Technologie doch was her, was die anderen Parteien so systematisch nicht haben. Das Prinzip der Arbeit der Partei ist erst mal neu. Aber die Grünen haben ja auch damit begonnen, dass sie ihre Leute in den Parlamenten rotieren lassen wollten, bis sie gemerkt haben, dass das nicht praktikabel ist. Dass jemand, der sich eingearbeitet hat eben nicht so eben ersetzt werden kann. Dass Köpfe denken und andere eben anders denken. Die Rotation in den Parlamenten war dann ja auch schnell vom Tisch. Auch wegen Eitelkeiten und eben auch wegen Karrierefragen. Von irgendwas muss eben auch ein Politiker leben. Es ist ja vielen nicht möglich nach ein paar Jahren wieder einzusteigen in den alten Beruf, wie es vielleicht als Lehrer noch geht.
v.V., 1.5.2012

Quo vadis Giovanni? - Oder Giovanni di Lorenzo, was machst du?

di-lorenzo_guttenberg-800x600_dsf0357Damals in 3nach9, Freitags abends auf dem Fernsehkanal von Radio Bremen, da war die Welt noch in Ordnung. Als Giovanni di Lorenzo die Sendung mit Amelie Fried moderierte. Gehobene Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger, aber geistreich. Unterhaltung für die, die die Woche stressig rumgebracht hatten und am Abend – auf dem Sofa – sich nicht von den Privaten komplett verblöden lassen wollten. Legendär die Sendung mit Sir Peter Ustinov und Cecilia Bartoli in der Inzenierung des Fiat Cinquecento. Große Unterhaltung. Herzlichen Glückwunsch! Was ist 3nach9 heute, klar die große, schöne Blonde aus Westfalen wird besser, aber nicht gut. Di Lorenzo wird schlechter, dünner, schlechter, dünner. Wohl die Dreifachbelastung (s.u.). Aber die Sendung ist nur noch schwer zu ertragen…

Di Lorenzo vom Tagesspiegel, einer sehr ordentlichen berliner Zeitung, zu einer der wenigen Institutionen des deutschen Journalismus „Die Zeit“ berufen. Zum Chefredakteur gekürt. Na ja, es ist schon ein paar Jahre her. Die Zeit wurde modernisiert. Man wollte nicht die „neuen Medien“ verschlafen. Die Zeit wurde kommerzialisiert mit vielen Umfelddevotionalien für den Bildungsbürger. Der geneigte Abonnent und Leser wurde gelegentlich mit nicht bestellter Werbung zur DVD-Vorlesung der „Zeit“ beschickt. Klar, die Zeitung hat es auch schwer im elektronischen Umfeld. Dennoch „Die Zeit“ leistet gute Arbeit für die BRD und ihre lesekundigen und weniger lesekundigen Bürger. Chapeu!

Wäre da nicht die Beweiräucherung des kettenrauchenden allweisen und allwissenden Altkanzlers und elder statesman H. Schmidt. Der die Zeitung von links nach rechts und oben nach unten, nicht nur „auf eine Zigarette“, durchdringt. Es geht nun schon viele Jahre. Man wird den Eindruck nicht los, der Chefredakteur Giovanni sitzt im Vestibül des Vertreters des Allmächtigen auf Erden. Klar Herr Schmidt ist Herausgeber der „Zeit“.  Auch ok, er ist ein großer im Geiste und ist in der Lage anderen die Leviten zu lesen. Aber muss denn ständig diese gut erzogene, übertrieben freundliche geradezu devote Haltung sein. Ehre gebührt dem Alter und auch dem Geiste. Aber, Herr di Lorenzo, man kann es auch übertreiben, sagt der langjährige Zeitabonnent. Nun denkt sich der geneigte Chefredakteur, Herausgeber ist Chef vom Chefredateur. Na ja, der ehemalige Brioni-Kanzler Schröder verkauft ja nun auch als Obergasmann Gas für den Putin-Konzern.

Heute ist wieder Donnerstag, die neue „Zeit“ ist da. Ne, schon wieder weiß der Schmidt alles besser und Lorenzo übersetzt und gibt den Schmidtanimator, für den deutschen Bildungsbürger, dachte der Autor. Falsch gedacht, wer glotzt mich den da keck mit gepressten Lippen von der Titelseite und – von rechts nach links – also, in die Vergangenheit weitblickend an? Der junge Graf aus Kulmbach. Mir kommt es fast hoch. Zum Glück hatte ich noch nicht gefrühstückt als ich „Die Zeit“ aus dem Zeitungskasten holte. Karl-Theodor zu Guttenberg meint „Mein ungeheuerlicher Fehler“, sagt das Wochenblatt von H. Schmidt und di Lorenzo. Als ob es nicht schon genug gewesen wäre, füllen die doch ein ganzes Dossier mit dem in den USA untergetauchten und medial in Halifax aufgetauchten Grafen. Wer will das lesen, wen interessiert wirklich, dass der Ex-Star-Verteidigungs-Tom-Cruise-Imitator-Minister, den Wunsch umsetzt sich der deutschen Öffentlichkeit zu erklären. Zu erklären? Äh, eigentlich ist er ja nur irgendwie ins Getriebe geraten, bei den vielfältigen Belastungen. Und eigentlich sind’s die anderen gewesen. Die Zeit macht sich zum Sprachrohr von KT, der festellt „Es war kein Betrug“ eigentlich nur einige versehentliche falsche Zitate. Das wußten wir doch schon. Fehlt nur noch, dass der Altmeister der deutschen Weltweißheit, H. Schmidt, den Karl-Theodor an sein Schachbrett lässt. Ne, da ist ja kein Platz, da sitzt ja im Moment der Steinbrück und wartet auf die Kanzlerschaft.

Da soll der geneigte Zeitabonnent doch 19,99 Euro für das 208 Seiten schwache Pamphlet aus dem katholischen Herderverlag ausgeben, um von den Lippen des Chefredateurs der „Zeit“ die Schlüsselfragen zur Welt des Karl-Theodor aus Kulmbach zu Guttenberg gestellt zu bekommen. So erfahren wir, dass er, der KT,  eigentlich eine „Patchworkarbeit“ verfasst habe, „die sich am Ende auf mindestens 80 Datenträger verteilt“ habe. Irgendwie erinnert mich das an die Zeiten mit den 1,4 Megabyte Disketten. Zur Zeit meiner Promotion, als Festplatten noch die Größe von PKW-Rädern hatten, habe ich maximal 4 Disketten benutzt für das Schreiben der Dissertation. Eine Diskette mit WordStar, einem in den 80’ger Jahren – ja, es gab eine Zeit vor der Microsoft – angesagten Textverarbeitungsprogrammes, das man in den Speicher des für den einfachen Studenten gerade erschwinglichen „Schneider CPC“ laden konnte und eine für den Text und die Daten der Arbeit. Die anderen beiden als Backupmedium.

Hat der Karl-Theodor denn noch einen so alten Computer? Oder hatten mindestens 80 Ghostwriter jeweils eine Festplatte auf die sich dann die Arbeit verteilte, so dass man beim zusammenstückeln die Zitate vergessen hatte? Wir werden es wohl vorerst nicht erfahren.

Aber warum macht Giovanni di Lorenzo, ein bedachter Kopf, sich und „Die Zeit“ zur Bühne dieses Karl-Theodor zu Guttenberg aus Kulmbach? Unglaublich! Ist es denn wirklich mehr als das Auflagenkalkül, dem täglich ja auch die Bildzeitung mit der Guttenberg-Show unterliegt? Aber vielleicht ist der von KT in der Zeit eingestandene „Fehler“ in einem ansteckenden Virus auf di Lorenzo übergegangen. Schade, Herr Chefredakteur? Da helfen auch die in der gestrigen „Zeit“  abgedruckten 2 Seiten mit fassungslosen Leserbriefen nicht. Schade, aber hoffentlich sind Chefredakteure, die auf dem Olymp der deutschen gedruckten Journalistenwelt angekommen sind, lernfähig. Schau mer ma, dann seh ma scho, um mit dem Fußballkaiser zu enden.

P. S. Auch nach der Lektüre der Stellungnahme di Lorenzos in der Zeit (http://www.zeit.de/2011/49/Leserkritiken-Guttenberg) zu den Vorhaltungen der Zeit-Leser bleibt ein „Geschmäckle“ Herr di Lorenzo. Mit Verlaub, sie haben die Auflage der Zeit möglicherweise gesteigert, dem Herderverlag zu einem Buch verholfen, das sich leider gut verkauft und damit natürlich auch Geld verdient – was gegönnt sei – Sie lagen aber in dieser Sache deutlich  und unerträglich daneben. Die Frage ist doch auch welcher wichtigen Sache Sie statt dessen Ihre Tatkraft und Ihren Intellekt hätten spenden können.

von Vincke

Weiterführende Literatur:

Die Zeit: Giovanni di Lorenzo Warum dieses Interview?

OliverLepsius, Reihnhart Meyer-Kalkus (Hrsg:): Inszenierung als Beruf – Der Fall Guttenberg (Suhrkamp, 2011)

SZ: „Neue Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg“

Welt Online: Ein Plagiat kommt selten allein

Staatsfeinde Nr. 1 - Assange und Wikileaks oder moderne Till Eulenspiegel?

Julian Assange – Welt-Staatsfeind Nr. 1 oder moderner Till Eulenspiegel?

So oder ähnlich steht es um einen der Hacker-Ethik verpflichteten Mann, der innerhalb weniger Jahre die aufmerksamkeitsträchtigste Website der Welt aufgebaut hat.wikileaks-ch-04-12-2010-155937

Man hat den Eindruck, der Mann hat hunderte Amerikaner umgebracht. Es wird viel über Cablegate geschrieben. Viele Peinlichkeiten stehen in den von Wikileaks veröffentlichten Cablegate-Papieren. Aber so wirklich neues kaum. Aha, die Diplomaten sind auch Alltagsmenschen. Sie beschrieben Politiker wie sie auch von Normalbürgern gesehen werden. Selbst Aussenminister Westerwelle bleibt da gelassen und auch die Kanzlerin. Sie zeigt dem Außenminister öffentlich eine auf Leaks basierende Karikatur von ihnen beiden. Capeau! Die hat wenigstens Humor.

Das kann man von der US-Administration nicht behaupten. Na klar, peinlich sind die sogenannten Enhüllungen gelegentlich schon. Aber am meisten ärgert die Supermacht Nr. 1 wohl, dass da ein dahergelaufener Hacker mit wenigen Hunderttausend-Euro-Budget ihnen einen Spiegel vorhält. Das hat was von Till Eulenspiegel. Nur ist es viel gefährlicher. Aus Kanada kam ja kürzlich schon der Wunsch Assange zu töten. Die USA würden ihn lieber heute als morgen einsperren und mundtot machen, bestenfalls. Da bleibt die deutsche Kanzlerin doch angenehm gelassen, wenigstens in der Öffentlichkeit. Eigentlich wundert man sich, dass der lange als besonnen angesehende amerikanische Präsident Barack Obama nicht zur Mäßigung beiträgt. Obama muss ganz schön angeschlagen sein. Von den Idealen, die er vor seiner Wahl verkörperte, ist nur noch wenig übrig geblieben. Er ist vollends angekommen in der Welt der Realpolitik. Vom Strahlen der Anfangstage ist nichts übrig. Die USA fühlen sich doch tatsächlich  in einem Cyberwar mit Wikileaks und Assange. Unglaublich! Es scheint nur noch Feinde zu geben für die einst so stolze Nr. 1 der Weltmächtigen. Assange auf dem gleichen Level zu handeln wie die/den Verursacher von 9/11 ist schon an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Wo bleiben die Gedanken der Aufklärung und der amerikanischen Verfassung. Die USA üben massiv Druck auf private amerikanische Firmen aus Wikileaks die Infrastruktur zu entziehen und die Webseite zu sabotieren. So hat Amazon Wikileaks auf Druck amerikanischer Politker aus seiner Cloud verbannt. Paypal, eine Ebay-Tochter,  nimmt ebenfalls auf Druck keine Spenden für Wikileaks und Assange und die Wikileaks unterstützende Wau-Holland-Stiftung mehr an. EveryDNS.net, ein amerikanischer  DNS-Service-Provider, hat seine Dienste für Wikileaks aufgekündigt. Damit war die Website wikileaks.org vorüberbehend nicht alphanumerisch zu erreichen. Die Website ist massiven DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) ausgesetzt, um sie auszuschalten.

Wikileaks hat einigen Weltblättern wie dem Spiegel, The Guardian, The New York Times vorab Dateien zur Verfügung gestellt. Diese haben das Material verwendet und darüber berichtet. Wer liest sich denn auch sonst 250.000 Dokumente durch, um schließlich zu wissen wie die US-Diplomatie so über die deutsche Kanzlerin, den italienischen Ministerpräsidenten oder den französischen Staatspräsidenten denkt. Was wäre eigentlich passiert mit den Wikileaks zugespielten Daten, wenn es Wikileaks nicht gegeben hätte. Derjenige, der sie Wikileaks zugeschickt hat, hätte sie vermutlich einer oder mehreren der großen Zeitungen oder Journale zugeschickt und diese hätten sie dann direkt bearbeitet und veröffentlicht.  Wie wäre sonst Watergate oder die Spiegelaffäre ans Licht gekommen, wenn nicht große Zeitungen darüber berichtet hätten. Heute gibt es außer den großen Zeitungen halt Blogger und Webseiten, die direkt ihre Meinung veröffentlichen. Im Prinzip kann dies nun in den Zeiten des Internet jeder. Und das ist sicherlich auch gut so. Das fördert die Meinungsvielfalt und tut letztlich der Demokratie, der Freiheit und der Moderne gut.

Die USA hat es nun auf Wikileaks erwischt und in letzter Zeit öfter. Afghanistan, Irak, etc. Ja, man kann sagen in der letzten Zeit waren die Veröffentlichungen von Wikileaks etwas einseitig in Richtung Westen orientiert. Da bedeutet ja nicht – wie der lese- und schreibkundige – Leser ohnehin weiß, dass es etwa in Russland oder China (von Norkorea mal ganz abgesehen) prinziell besser steht um Bürger- oder Menschenrechte. Sicher nicht. Auch heute sind die westlichen Demokratien – bei allen Problemen – sicher, was die Menschen- und Bürgerrechte angeht, den genannten um Meilen voraus. Wir können schließlich hier eine ebensolche Diskussion über Wikileaks führen. Allerdings muss sich der Kopf von Wikileaks, Assange, verstecken als wäre er mit einer islamischen Fatwa, ähnlich Salman Rhusdie, zum Tode belegt. Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass diese Dinge gerade unter einem als liberal angesehenen amerikanischen Präsidenten passieren. Aber Guantanamo ist eben auch noch nicht aufgelöst, wie Obama vor seiner Wahl versprochen hatte. Die westliche Welt sollte acht geben, dass sie nicht ihre Glaubwürdigkeit in den Weiten des von ihr entwickelten Internets verliert. Wikileaks hat ja längst nicht nur Material über die USA veröffentlicht. Eigentlich dürfte die Zielrichtung nicht ein Staat sein, sondern das Prinzip der Transparenz. Helfen würde nur, wenn die Marsmännchen Assange als einen der ihren erklären würden, um ihn unter ihren Schutz zu stellen, da die veröffentlichten Dokumente vieles auf der Erde – und nicht nur den USA – transparenter machen. Ich frage mich natürlich schon, warum die USA die Daten meiner innerdeutschen oder innereuropäischen Geldüberweisungen via SWIFT-Abkommen zugestellt bekommen. Da soll mal einer sagen, das sei was für die amerikanische Behördenöffentlichkeit. Aber das ist ja legal. Die Frage nach der Legalität hat viele Facetten. Nicht alles legale ist moralisch gut und vertretbar und nicht alles illegale ist moralisch schlecht. Davon weiss z. B. die in ihrer Jugend in der DDR lebende deutsche Kanzlerin eine ganze Menge.

Die Frage ob es gerechtfertigt ist all die Dinge, die Wikileaks veröffentlicht hat, zu veröffentlichen, wird derzeit viel diskutiert (z.B. in „Bild“, Süddeutsche Zeitung“ und der „Zeit“). Vor allem bei der Zeit fällt auf, dass sie den Eindruck hat – bei den Vorabinformationen an die von ihr beschriebenen „Weltblätter“ wie den Spiegel, Guardian, etc. – schlicht übergangen worden zu sein, so heftig kritisiert sie das Vorgehen der Konkurrenzblätter und hält die letzten Aktionen von Wikileaks für überzogen. Aber wer hat derzeit schon all die Infos gelesen. Kürzlich wurde publik, dass in den Depeschen stehe, dass Gaddafi Nuklearmaterial hat rumliegen lassen, aus Ärger über die ihm nicht gegebene Genehmigung sein Zelt in New York aufzuschlagen. Oder gerade meldet die New York Times, dass chinesische Führer im letzten Jahr so verärgert waren und Google-China abstraften, sei darauf zurückzuführen, dass sie sich selbst gegoogelt hätten, habe in den Cable-Dokumenten gestanden. Was da so drin steht kann erst im laufe der Zeit beurteilt werden. Jedenfalls führt wohl in vielen Ländern der Inhalt der Daten zur Belastung der Beziehungen zu den USA.

Dabei kommt man naturgemäß zu der Frage ist es „ok“ geheim gehaltene Dinge zu veröffentlichen. Unschwer erkennbar dabei ist, dass es bei der Beantwortung dieser FrTill Eulenspiegel

age natürlich auch den Standpunkt und die Sicht der Welt und natürlich auf die geheim gehaltenen Dinge selbst ankommt. Aber vielleicht zunächst die Frage nach der Legalität. Die ist wohl leichter zu beantworten.

Wäre die Veröffentlichung illegal, dann hätten die schon erwähnten „Weltblätter“ wie Spiegel, Guardian, New York Times große Probleme. Hätten diese Zeitungen die Dokumente per Post (ohne Absender) erhalten und veröffentlicht, dann würde eigentlich niemand in der Kritik stehen. Allenfalls der unbekannte Versender, der vielleicht die Infos illegal den Eignern entzogen hat. Sollte doch eines der Weltblätter angegriffen werden und sei es durch Kritik, Justiz oder Hacker, würden viele andere Weltblätter ihren Journalistenkollegen zur Hilfe eilen. Derzeit bricht sich aber ein anderes Phänomen bahn. Viele der von Wikileaks mit Vorabinformationen eben nicht bedachte Weltblätter (in Deutschland z.B. Zeit, FAZ) schießen sich ein auf die von ihnen für mehr oder weniger psychopatisch gehaltene Persönlichkeit von Julian Assange. Assange wird im wesentlichen von denselben Weltblättern, die die von Wikileaks verbreiteten Informationen über den Afghanistaneinsatz oder den Irak nutzten als selbstdarstellerischer Psychopath dargestellt. Natürlich, ohne eine spezielle Persönlichkeitsstruktur kann wohl niemand so schnell eine so – letztlich – beachtete Organisation aufziehen unter so großen persönlichen Risiken für Freiheit, Freizügigkeit und eben auch das eigene Leben. Hier lediglich die Triebfeder in einer psychopatischen Persönlichkeit zu suchen greift deutlich zu kurz. Zurück zur Ausgangsfrage: Dürfen diese Dinge veröffentlicht werden? Dabei sollte man sich bewußt werden, dass dieselben Staaten, die sich über die Publikationen aufregen ihren Geheimdiensten auftragen wirklich geheime Informationen befreundeter und nicht befreundeter Staaten (und nicht nur welchen Charakter Westerwelle hat) herauszuspionieren, um diese Infos dann in die eigene Strategie einzubinden und gelegentlich auch über Umwege in der Öffentlichkeit zu lancieren, wenn es zielführend erscheint. Hier tun sich die verschiedenen Weltmächte wohl wenig. Und dazu gehören auch die USA. Mag sein, dass dies die Kanzlerin, Angela Merkel, im Hinterkopf hatte, als sie über den ihr unterstellten Teflon-Charakter mit Westerwelle schmunzelte.

Seine Stärke und List bestand darin, die Worte seiner Gegenüber auf die Goldwaage zu legen und stets wörtlich zu nehmen“ schreibt Jürgen Mewes über Till Eulenspiegel. Und „Till Eulenspiegels Grab werden Sie in Mölln leider vergeblich suchen. Jedoch erinnert an diesen wohl doch lebensklugen, rauen Zeitgenossen, der auch heute noch den so genannten „Mächtigen“ der Welt den Spiegel vorhalten und auf deren eigene Schwächen und Verfehlungen hinweisen könnte, dieser Gedenkstein an der dortigen St. Nikolaikirche.“ Julian Assange wird Till Eulenspiegel – einen der niedersächsischen Dichtung entsprungenen Volkshelden –  vermutlich nicht kennen. Aber hier ergeben sich deutliche Parallelen. Ein wenig erinnert der letztlich von den Reaktionen befeuerte Hype um Wikileaks uns Julian Assange an die Eulenspiegelgeschichte mit der Frau, der Eulenspiegel verhalf den Papst persönlich zu sehen. Im Grunde nutzte Eulenspiegel gekränkte Eitelkeiten des Papstes und seiner Berater aus sich 100 Dukaten zu verdienen und der gläubigen Frau die Nähe zu ihrem obersten Hirten zu verschaffen. Ein wenig der gekränkten Eitelkeiten der Führungspersönlichkeiten nutzt Assange bzw. Wikileaks auch. Es hat auch hier die Herstellung von unangenehm offener Nähe (z.B. zu diplomatischen Gepflogenheiten) zur Folge. Also Nähe zu den betroffenen obersten weltlichen bzw. aktuell westlichen Hirten. Damit verschafft Assange und Wikileaks den einfachen Leuten aus dem Volke der westlichen Nationen eben auch andere als die üblichen medialen Einblicke in die Techniken der Macht, der Politik, Wirtschaft und der Kriegsführung, allerdings ohne damit 100 Dukaten für sich persönlich zu gewinnen. Also Assange befindet sich in eulenspiegelscher Tradition, könnte man meinen.

Bilder:

1. Wikileaks: Hardcopy eines Ausschnittes von Wikileaks.ch.

2. Till Eulenspiegel: Quelle Erich Eco: http://www.erich-hat-jetzt-zeit.de/Bernburg/Till Eulenspiegel/inhalt.htm (Bildrechte unbekannt)

Google Street View: Wenn dein Haus nicht gefunden wird existiert es weniger!

Wieder Google! Wieder ein Aufreger! Zum Glück für die Medien. google-street-view Die Politiker sind noch im Urlaub gewesen. Da will Google doch deutsche Straßenzüge und deutsche Häuser ins Netz stellen.

Die Diskussion geht los, was ist öffentlicher Raum? Was darf ins Netz gestellt werden? Die Frage stellt sich natürlich niemand beim anschauen von Google street view Straßen aus New York oder dem geplanten nächsten Urlaubsort, um mal zu gucken ob das vermeintlich günstige und gute Hotel nicht neben einer Müllkippe liegt. Aber eben bei uns – in der Sackgasse – soll und darf nicht fotografiert werden. Basta. Bürgermeister(-innen) überlegen sich eine Maut für Google einzuführen. Sind sich aber nicht sicher ob sich Google für die eigene Stadt überhaupt interessiert oder gar, ob Google-Foto-Autos nicht schon vor 2 Jahren dort waren und die Fotoaktion längst gelaufen ist. Andere wollen die eigenen und vor allem öffentliche Gebäude aus dem Bildmaterial löschen lassen.

Super. Die Befürchtungen: ein Unternehmen, in Californien kartografiert die ganze Welt und verknüpft dies auf seinen Servern mit den anderweitig von Google generierten Daten (aus Gmail, Suchanfragen, Handystandorten, Bewegungsprofilen, gescannten Buchinhalten, Inhalten aus freiwillig in sozialen Netzwerken zur Schau gestellten persönlichen Daten, Gesichtserkennung der (selbst) öffentlich gemachten Fotos, etc.). So ist die Angst vor dem großen Firmenbruder da.

Bei der Volkszählung vor langen Jahren, versuchte man seine Daten gegenüber dem Staat geheim zu halten. Die paar Daten – aus heutiger Sicht. Heute gehen die Banktransaktionsdaten ohnehin via SWIFT-Abkommen der EU mit den USA über den großen Teich. Wer was wohin überweist. An amerikanische Geheimdiens zur  Terrorbekämpfung. Die Aufreger darüber hielten sich in engen Grenzen. Von der Politik insbesondere. Aber auch für den „Bürger“ ist das „zu“ abstrakt. Anders die Bilder von der Straßenfront des eigenen Hauses und dem Gartenzwerg im Vorgarten (Gibt es sie eigentlich noch, die Gartenzwerge? Die werden aufgrund der demografischen Entwicklung auch älter und weniger).

Gucken wollen (fast) alle. Beguckt werden weniger Menschen.

Nun filmt und fotografiert Google nicht ständig neu, als in Real Time die Welt. Wie sollte sowas auch logistisch zu machen sein. So ist es schon eine historische Leistung ein Abbild der Welt mit den heutigen fotografischen Mitteln zu erstellen. Beispiellos in der Geschichte, bisher. Erstaunlicher Weise hat sich niemand aufgeregt als Google Bildmaterial der Satelliten öffentlich gemacht hat und jeder auf den eigenen Pool (soweit vorhanden) oder in den Garten von oben – in erstaunlich guter Bildqualität schauen konnte. Das hatte man so noch nicht gesehen. Irgendwie „geil“. Das hat auch keine Bürgermeister aufgeregt obwohl man doch viel genauer hinter die Zäune schauen konnte. Aber auch dies war wohl irgendwie abstrakter als der Blick von vorne, von der Straße.

Wie immer, das ganze hat positive und potentiell negative Seiten. Es ist nicht verboten ein Haus von der Straße aus zu fotografieren, im öffentlichen Raum. Wo wären wir, wenn das so wäre. Es gäbe kaum Bildmaterial in Reiseführern. Die Zeitungen wären wieder nahezu Bildmaterial frei. Und unser Wissen von der Welt wäre wesentlich ärmer. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Wenn Google das machen kann, dann entsteht eine moderne anschauliche Kartografie der Welt.

Irgendwie scheint der Zu ja schon abgefahren. Google hat das schon gemacht. Na klar Sie können Ihr Häuschen löschen lassen. Aber es wird dann auch nicht drin sein im „Abbild“ der Welt. Für das Privathäuschen mag das zu verschmerzen sein. Für das Colosseum in Rom ist es weniger klasse. Und der Bürgermeister von Rom hat eine „suchbare“ Touristenattraktion weniger zu bieten. Nun ist das Colosseum eh in aller Munde und jeder – auch der, der noch nicht in Rom war – hat ein Bild vom Colosseum im Kopf. Die vielen weniger prägnannten und weniger bekannten Bauwerke kommen da schlechter weg. Sie werden ggf. nicht mehr gefunden. Firmen, die vielleicht ansiedeln wollen, bekommen wegen fehlender Findbarkeit keinen oder einen löschrigen Eindruck der Stadt. Potentielle Touristen schauen sich vielleicht lieber eine andere Stadt an,  bei der man die Bauwerke – die öffentlichen – mit ansehen kann und seine Reise schon vorher im Netz planen kann.

Was du nicht findest – im Netz -, also in Google, das existiert weniger!

Es lassen sich noch viele Beispiele geben der (vor allem auch wirtschaftlichen) Nachteile der Unfindbarkeit von Bildmaterial von öffentlichen Ansichten von Gebäuden darstellen. Vermutlich werden sich diejenigen, die ihre Gebäudeansichten in Google löschen lassen wollen, später wundern, dass ihre Gebäude eben weniger „existent“ sind und weniger gefunden werden. Aber beschwert euch dann nicht. Vielleicht wollt ihr eure Gebäudeansichten dann ja bei der nächsten Google Street View Fotoaktion dann doch einfügen lassen, damit sie endlich im Netz zu finden und zu sehen sind.

Übrigens, der Bollmann Verlag aus Braunschweig fotografiert Gebäudeansichten schon seit den Fünfzigern, um die Fotos dann als Grundlage seiner 3D-Karten verwenden, wie die Welt kürzlich darstellt. Und er verknüpft die Gebäudeansichten nicht selten mit den Hinweisen auf Geschäfte und Firmen, jedenfalls bei den Firmen, die dafür bezahlen.  Das ist die offline Variante der Google-Werbung.  Kl.

Computerisierung im Krankenhaus führt kaum zur Qualitätsverbesserung und schon garnicht zur Reduktion der Kosten!

Praxis und Theorie der Computerisierung im Gesundheitswesen, am Beispiel der Krankenhäuser.
(Studie von David U. Himmelstein und Kollegen: Hospital Computing and the Costs and Quality of Care: A National Study (The American Journal of Medicine, 2009: 1-7)

von: von Vincke, 14.3.2010

In den deutschen Krankenhäusern finden wir – trotz bekanntem Inverstitionsstau – einen raschen Trend zur zunehmenden bluescreenComputerisierung. Gab es früher fest verdrahtete Maschinen z.B. für die neurologlische Untersuchung der Nerven und Muskeln (EMG), so finden wir heute in der Regel einen PC mit einem Betriebssystem aus Redmond als Basis, einer Fimensoftware einer EMG Firma und einem per USB oder anderer Schnittstelles angeschlossenem Eingabemodul. Wir finden Krankenhausinformationssysteme (KIS), die oft eher weniger ihren hochtrabenden Namen verdienen. Wir finden computerisierte Großgeräte wie Computertomografen (CT) und Magnetresonantomografen (MRT), die erhebliche diagnostische Fortschritte gebracht haben. Wir finden auch computeruntersützte Operationssysteme. Wir finden Radiologie-Informationssysteme (RIS) bei denen die aufgenommenen digitalen Daten der Röntgen- und Schnittbildgeräte (CT, MRT), auf Festplatten digital gespeichtert und jederzeit (was bedeutet, wenn das System gerade nicht ausgefallen ist oder gerade nicht zu viele auf die Daten zugreifen wollen) von überall in der Klinik abrufbar sind.

Von überall? Jederzeit?

Jeder Paraktiker im Krankenhaus bestätigt, dass viele dieser Systeme im klinischen Alltag erhebliche Macken haben und im täglichen Einsatz häufig ihren Vorteil gegen andere vorher ungekannte Nachteile verspielen. Das will allerdings kaum jemand wahrhaben. Natürlich nicht die Computerindustrie und die KIS- und RIS-Hersteller. Aber auch nicht die Krankenhausadministrationen. So haben sie mit viel finaziellem Aufwand kostspielige Computersysteme in ihren Krankenhäusern installiert, um – ja um natürlich die Personalkosten zu senken – sprich Stellen, die mehr als 2/3 der Kosten ausmachen. Da müssen die Computersysteme einfach prima funktionieren. Da werden dann medizinische – zuvor gut und praktikabel funktionierende – Abläufe mir nichts, dir nichts, mit der Dampframme und ohne Kennntisse der wesentlichen Bedingungen im Medizinablauf, umgestellt. Die über Jahrzehnte gewachsenen Abläufe werden um die erste Priorität der Computersysteme herum organisiert. Koste es was es wolle. Meist kostet es ärztliche Artbeitszeit, und die gibt es häufig per undokumentierter bzw. unbezahlter Überstunde kostenlos. Es kostet aber auch häufig pflegerische Arbeitszeit und die gibt es kostenlos, indem die Zeit von der direkten Patientenversorgung umgeleitet wird in eine vielfältige Dokumentation vielfältiger computergestützter Systeme. Die direkte für den Patienten verwendete Zeit wird immer weniger.

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